Wir haben den Dan Bilzerian, den wir verdienen!

Die Nachricht der Woche: Instagram überholt Twitter und hat vier Jahre nach der Gründung 300 Millionen Nutzer. Einer der das Foto-Netzwerk ganz gut zu nutzen weiß, ist Dan Bilzerian. Ein Herr mit Bart, Bauchmuskeln und 5,7 Millionen Instagram-Followern. Das Social Media Phänomen des Jahres 2014.

In an attempt to appear more sophisticated, I rented this suit for the day

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6,7 Millionen Fans auf Facebook und 1 Million Follower auf Twitter

Dan Bilzerian hat viel Geld und schätzt die Gesellschaft schöner Frauen. Zumindest sind das die Fixpunkte seiner Posts. Er teilt Fotos von Waffen, Autos und halbnackten Frauen und bedient damit offensichtlich Sehnsüchte einer ganzen Fanbase. Im März 2014 wurde er zum interessantesten Mann auf Instagram (Buzzfeed) und im April zum reichen Deppen erklärt (Buzzfeed). Im September erreichte der Hype um den Pokerspieler eine vorläufigen Höhepunkt: Dan Bilzerian wurde öfter gegoogelt als Barack Obama. So fühlt er sich wohl gerade auch.

Face down ass up

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Instagram Posts im Stile Floyd Mayweathers – It’s all about the Benjamins

Dan Bilzerian gewährt Normalsterblichen kleine Einblicke in eine Parallelwelt voller Luxus, Sonnenschein und schöner Menschen. Wofür er steht ist klar, woher er kommt dagegen nicht so sehr. Bekannt ist, dass er eine Ausbildung zum Navy Seal begonnen hat, aber kurz vor Ende unehrenhaft entlassen wurde, weil er einen Vorgesetzten schwer beleidigt haben soll (ein Rebell!). Danach begann er mit Poker (ein Spieler!) und feierte Partys bis zum Herzinfarkt (ein RocknRoller!). Er behauptet innerhalb von 12 Monaten 50 Millionen Dollar beim Pokern gewonnen zu haben. Offensichtlich hat er aber einen Großteil seines Vermögens von seinem Vater, einem ehemaligen Finanzinvestor/Corporate Raider. Ob vom Vater oder vom Vater und Pokern ist egal – Dan Bilzerian hat Geld und zeigt das. Und das ist es, was wir wollen.

Instagram – a place to show off

Wie könnte man seinen Reichtum und Lebensstil besser inszenieren als mit Fotos? Instagram ist die Möglichkeit zu zeigen was man hat und auf was man steht. Hier kann man endlich einem anonymen Publikum beweisen, dass man Geschmack hat und ein interessantes Leben lebt. Natürlich sind nicht alle 300 Millionen Instagram-Nutzer Poser. Aber Extreme wie Bilzerian oder die Rich Kids of Instagram beweisen: Instagram ist das perfekte Mittel zur Selbstinszenierung.

Gebt uns Likes für Selfies! Gebt uns Likes für Outfits, gebt uns Likes für interessante Plätze, gebt uns Likes für neue Perspektiven! Instagram ist der vorläufige Höhepunkt der digitalen Selbstbeweihräucherung. Und Dan Bilzerian ist Instagrams erster Hohepriester.

5,7 Millionen Follower. Vor meinem nächsten Selfie werde ich kurz demütig innehalten. Versprochen.

Es gibt Profisportler auf Twitter. Und es gibt Andrea Petković

Fußballerzitate. Twitter sollte eigentlich davon überquellen. Die meisten Twitter-Accounts von Profisportlern werden aber scheinbar von übervorsichtigen Social Media Managern gepflegt. Oder zumindest wurden die Sportler von umsichtigen Social Media Profis gebrieft. Kein Wunder, denn Sportfunktionäre wie der Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes warnen:

«Wenn man eine breite Straße zu den Fans baut, baut man eine Autobahn zurück. Da kann Druck entstehen.“

Zugegeben, Feedback aus sozialen Netzwerken geht oftmals eher in die Richtung derber Kritik. Natürlich versteht man da die Zurückhaltung der Sportler auf Twitter. Es gibt aber auch erfrischende Ausnahmen.

Robert Huth ist eine solche Ausnahme. „Huuuth“ schallte es durch die Stadien als Robert Huth noch in der Nationalelf auflief. Ein markanter Ruf für einen kantigen Abwehrspieler, der auch auf Twitter gerne mal die Grätsche auspackt.

Natürlich ist Mario Balotelli auch auf Twitter immer für eine Überraschung gut. Neben News seines Sponsors Puma bietet der Account auch einen Zugang zu ganz persönlichen Details:

Bei einem Großteil der Tweets von Profisportlern pendelt der Informationsgehalt leider zwischen 0 und -1. Tweets wie „Bereit für das heutige Spiel“ oder „Es war ein guter Tag heute, 3 wichtige Punkte“ reihen sich in den Timelines der Sportler aneinander. Auch dieses Phänomen kann man mit einem Zitat des Sprechers des Deutschen Olympischen Sportbundes erklären:

„Deshalb empfehlen wir, zwei Tage vor dem Wettkampf nicht mehr im sozialen Netzwerk aktiv zu sein, sondern sich zu konzentrieren.»

Twitter lenkt also nicht nur normalsterbliche Büroangestellte von der Arbeit ab. Dieses Argument ist ziemlich glaubhaft und erklärt die Vielzahl der gehaltlosen Tweets der Sportler. Und es erklärt auch, warum viele Sportler erst nach Ihrer Karriere auf Twitter aufblühen.

Mario Basler war schon während seiner aktiven Zeit kein Kind von Traurigkeit. Nicht auszumalen mit welchen Späßchen er die Fußballwelt beglückt hätte, wenn es Twitter und Co. schon 96/97 gegeben hätte. Jetzt hat der TV-Experte seine Metamorphose zum Social Media Profi abgeschlossen. Was soll man sagen? „Es war nur noch Wahnsinn, es war nur noch Feiern“

Auch Boris Becker ist auf Twitter, but I wonder what he is thinking.

Ebenfalls von seiner nachdenklichen Seite zeigt sich Jermaine Jones. Der in Frankfurt geborene Amerikaner lässt seine Karriere gerade in den USA ausklingen. Auf Twitter bleibt er aber weiterhin ziemlich aktiv. Er lässt seine Follower sogar an der strategischen Karriereplanung teilhaben:

Ab und zu wird man eben von der Erkenntnis getroffen, dass Profisportler auch nur Menschen sind.

«Ich habe gerade keine kreative Phase und will nicht immer dasselbe schreiben.»

Aussagen wie diese (von Tennis-Star Julia Görges) sind ehrlich, aber dem Markenwert wohl nicht gerade zuträglich. Sind die Twitter-Accounts der Superstars wirklich nur Teil der Markenstrategie des Managements? Nicht immer. Zumindest beweist Andrea Petković, dass man auch als Profisportler einen erfrischenden Twitter-Account haben kann. Die äußerst erfolgreiche deutsche Tennisspielerin zeigt sich auf Twitter von ihrer besten Seite:

Ziemlich cool, was sie auf Twitter zum Besten gibt. Eigentlich ist dieser Post nur eine verkappte Hommage an Andrea Petković. Und wie könnte man diese abschließen? Vielleicht so:

1 Milliarde Video Views: Facebook will ein Stück vom Online-Video-Werbemarkt

Facebook macht die Anzahl der Views einzelner Videos für alle Nutzer sichtbar. Wie oft wurde mein Video angeklickt und wie oft wurde es geliked? Facebook-Nutzern wird zukünftig, neben der Empfehlung durch Freunde, ein weiterer Indikator für die Popularität eines Videos zur Verfügung stehen.

Mindestens so interessant wie die Veränderungen für die Nutzer ist aber (wie so oft bei Facebook-Updates) die dahinterliegende Strategie des Unternehmens.

So wurde heute ebenfalls bekannt, dass Facebook Video-Publishern und Site-Betreibern erweiterte Insights über das Userverhalten bieten wird. Es wird zukünftig bspw. möglich sein, die Sehdauer bis zum Absprung der User einzusehen. Weiter sollen Video-Publisher einen Call-to-Action-Link am Ende des Videos platzieren können. Facebook-Videos könnten somit zukünftig nicht mehr nur für Aufmerksamkeit sorgen, sondern effektiv Traffic generieren. Außerdem wird so eine direkte Messung des Erfolgs eines Videos (bspw. über eine Click-Trough-Rate) möglich.

Facebook verbessert also die Tracking-Möglichkeiten für Videos und verfolgt somit das Ziel, die enormen Video-Reichweiten zu monetarisieren.

Eine Milliarde Video Views täglich

Facebooks Videoabrufe wachsen und wachsen: Aktuell werden täglich 1 Milliarde Video Views auf Facebook verzeichnet. Die enormen Steigerungsraten hängen natürlich stark mit der Verbreitung von viralen Videos wie bspw. bei der IceBucketChallenge zusammen. So wuchs die Anzahl der Video Views  allein von Mai bis Juli 2014 um 50%.

Facebook vs. YouTube

Die Bedeutung der hohen Abrufzahlen wird bei einem Vergleich mit dem Branchenprimus besonders deutlich. Als Messlatte für die 1 Milliarde Views auf Facebook soll deshalb YouTube dienen. Die genuine Videoplattform verzeichnete Anfang 2012 täglich 4 Milliarden Video Views. Facebook könnte also durchaus als zukünftiger Konkurrent YouTubes gelten.

Die Zahlen von YouTube sind natürlich veraltet und ein direkter Vergleich ist somit schwierig. Die Entwicklung der Video Views auf Facebook ist aber trotzdem beachtlich. Ebenfalls interessant sind die Auswirkungen eines weiteren Trends: Generell verzeichnet Facebook seit einiger Zeit einen Shift der Nutzung hin zu mobilen Endgeräten. So stieg die Anzahl der mobilen Nutzer in einem Jahr von 751 Millionen auf über 1 Milliarde in 2014, was einer Steigerung von 34% entspricht. Folglich ist es keine Überraschung, dass 65% der Video Views auf Facebook über mobile Endgeräte erzeugt werden. Auch hier soll vergleichsweise Googles Plattform herangezogen werden: YouTube beziffert die mobilen Abrufe auf 40%.

Facebook hat die Bedeutung digitaler Videos erkannt

Die jetzt vorgestellten Updates fügen sich in eine Strategie, die schon länger erkennbar ist. So führte Facebook vor einem Jahr die Autoplay-Funktion für Videos ein und experimentierte mit einem Tool, das Usern mobiler Endgeräte nach dem Ende eines Videos ähnliche Videos vorschlägt, die den Usern gefallen könnten.

Für Facebook sind die steigenden Video Views eine potentiell sprudelnde Einnahmequelle. Wie der Business Insider berichtet, wird der amerikanische Online-Video-Werbemarkt stärker wachsen, als alle anderen digitalen Bereiche, mit Ausnahme des Mobile-Sektors. So werden die Einnahmen durch Online-Video-Werbung von 2,8 Milliarden Dollar in 2013 auf 5 Milliarden Dollar in 2016 wachsen. Die Einnahmen durch klassische TV-Werbung werden im gleichen Zeitraum um 3% zurückgehen.

Von diesem Kuchen möchte Facebook natürlich ein möglichst großes Stück abbekommen. Im Juli 2014 übernahm Facebook deshalb die 2007 gegründete Video-Ad-Technology Firma LiveRail für ca. 500 Millionen US Dollar. Das erfolgreiche Unternehmen liefert Publishern Tracking-Technologien und fungiert außerdem als Schnittstelle zwischen Publishern und Werbekunden. Facebook wird diese Expertise nutzen um sich auf dem Online-Video-Werbemarkt möglichst unverzichtbar zu machen.

 

Die Berichterstattung über Kai Diekmanns Tweets

Google Suggest schlägt für “Kai Diekmann” direkt nach “Bart” den Suchbegriff “Twitter” vor. Offensichtlich ist der lebhafte Twitter-Account schon einigen aufgefallen. Ein Grund dafür ist die Offenheit, mit der Diekmann auf Twitter kommuniziert.

So streitet er sich auf Twitter mit Kachelmann, diskutiert über geklaute Inhalte und kommentiert pampig Kritik an der Berichterstattung der Bild-Zeitung. Diekmanns Twitter-Account wurde schon auf Fake-Follower untersucht und es gibt eine Auflistung der 100 banalsten Tweets des Bild-Chefs. Einige Tweets Diekmanns finden sogar den Weg in journalistische Onlinemedien. Die einen dienen als unterstützende Quellen, andere Tweets werden zum zentralen Thema von Artikeln. Woher kommt das starke Interesse an den Tweets des Bild-Chefs? Ist es so einfach, wie Jeff Jarvis vermutet?

Wenn ein Artikel über den Piloten des Weltmeisterfliegers auf Spiegel Online Assoziationen zu Kai Diekmanns Schulzeit weckt, wird es Zeit sich Gedanken über die Berichterstattung zu den Twitteraktivitäten des Bild-Chefs zu machen und etwas genauer hinzuschauen. Warum werden Diekmanns Tweets zu News? In diesem Blogpost werden ein paar Tweets von Diekmann und die darauf folgenden Reaktionen von Onlinemedien vorgestellt.

1: #DIEKMANNvsWULFF

Ein enormes Medienecho riefen Diekmanns Tweets zur Bild-Wulf-Beziehung hervor. Als Christian Wulff Mitte Juli 2014 bei Mybrit Illner über sein Verhältnis zu den deutschen Medien sprach, bezog Diekmann während der Sendung auf Twitter offensiv Stellung zu den Vorwürfen Wulffs. Diekmann feuerte fast im Minutentakt Fotos von Briefen und Stellungnahmen ab, die seine Sicht der Affäre zeigten:

Die Aufmerksamkeit die Diekmann’s Tweets zufiel, ist angesichts der gesellschaftlichen Relevanz der Affäre nachvollziehbar. Hier eine kleine Auswahl an Überschriften von Onlinemedien:

2: #DIEKMANNvsKACHELMANN

Von wesentlich geringerer gesellschaftlicher Relevanz war der Streit, der in der deutschen Medienlandschaft um den Kachelmann-Prozess entbrannte. Das mediale Echo wandelte allerdings in ähnlichen Sphären wie das der Wulff-Affäre. Beachtung fand deshalb auch die Auseinandersetzung zwischen Diekmann und Kachelmann, die Ende Juli 2014 auf Twitter ausgetragen wurde. Der Auslöser des Streits war ein Kommentar Kachelmanns zur Berichterstattung der Bild über den Nahost-Konflikt. Auf dem Höhepunkt machten die Kontrahenten gegenseitig geleistete Zahlungen öffentlich. Onlinemedien griffen den Zwist unter folgenden Überschriften auf:

Ein Twitter-Duell mit Diekmann kann durchaus nützlich sein, wenn der Kontrahent bspw. die Aufmerksamkeit auf ein neues Buch lenken will. Petra Schwegler zeigt auf WuV.de wie sich Medien und einzelne Personen durch einem Disput mit dem offensiven Diekmann zu mehr Mediawert verhelfen. Der Geschäftsführer der Mediaagentur Pilot München Oliver Roth erklärt das Muster des “PR-Beschleunigers” im Artikel so:

“Die Strategie ist einfach, aber effektiv: Provokation, auf die Diekmann einsteigt und die er kommentiert, danach Einordnung durch den Protagonisten.” – “Diekmann garantiert hohe Aufmerksamkeit – ob nun zur Steigerung der eigenen Bekanntheit oder der Abverkaufszahlen eines Buches”

Hier gibt es die lesenswerte Analyse über die Kosten und Nutzen eines Twitter-Duells mit Diekmann:

3: #DIEKMANNvsBÜCHNER

Die Absicht sich selbst ins Rampenlicht stellen zu wollen, kann man Wolfang Büchner im folgenden Fall nicht unterstellen. Als der Spiegel den Bart Diekmanns als “eine Mischung aus Waldschrat, Weihnachtsmann und Osama bin Laden” beschrieb, konterte Diekmann im März 2014 auf Twitter mit dieser Grafik:

Der Vergleich mit Terroristen und Gangster-Rappern auf der einen, der Affen-Vergleich auf der anderen Seite. Es geht um einen Duell zwischen zwei der größten Medienhäuser Deutschlands, da kann man schon mal eine Klickstrecke draus machen:

4: #ISLAM&BAMS

Nicht nur Twitter-Duelle mit Diekmann besitzen Nachrichtenwert. Auch Streitigkeiten innerhalb der Bild-Gruppe finden über Twitter den Weg in die Berichterstattung. Spiegel Online dokumentiert die Reaktionen auf einen Kommentar des Vizechefredakteurs der Bild am Sonntag Nicolaus Fest Ende Juli 2014 und zitiert u.a. die Tweets des Chefs der Bild-Gruppe:

Aber auch andere Onlinemedien griffen die Tweets gerne auf:

Einen lesenswerten Kommentar zu den Tweets und der Diskussion findet sich bei Stefan Niggemeier, der sich bekanntlich gerne mit Diekmann duelliert.

5: #DIEKMANNvsJARVIS

Ein ebenfalls besonderes Maß an Aufmerksamkeit beim branchenaffinen Publikum erlangte der Twitter-Account, als sich Diekmann und Jeff Jarvis Mitte Juli 2014 das oben erwähnte Duell lieferten.

Der Disput fand einigen Widerhall in verschiedenen Blogs. Aber auch der Branchendienst Meedia dokumentierte das Duell:

6: #BEEFinderBRANCHE

Für Medienjournalisten ist der Twitter-Account des Provokateurs eine willkommene Abwechslung zu eintönigen Meldungen aus den Chefetagen. Das endlose Duell mit der Taz, Bart-Diskussionen mit dem Spiegel – die Liste der brancheninternen Sticheleien von oder gegen Diekmann ist lang. Hier eine kleine Auswahl von Berichten über brancheninterne Streitigkeiten auf Twitter:

Ab und zu gelangen aber auch belanglose Tweets des Bild-Chefs in den Blickpunkt. So wurde über Tweets zu Stellenauschreibungen bei der Bild berichtet und es gibt eine Auflistung der Twitter-Geburtstagswünsche für Diekmann.

Back to school: Der Nachrichtenwert der Tweets

Dass Diekmanns Tweets zu Nachrichten werden ist hiermit bewiesen. Warum die Tweets allerdings so gerne aufgegriffen werden, ist offen. Liegt es an der polarisierenden Persönlichkeit Diekmanns und daran, dass Onlinemedien ihr Publikum für Voyeure halten, wie Peter Böhling im Beitrag von Petra Schwegler auf WuV.de vermutet?

“Egal also, wo man selbst steht: Der Zoff-Faktor ist garantiert. Und weil wir alle gnadenlose Voyeure sind (ja, auch Sie, liebe Leser!), sitzen wir natürlich gern in der ersten Reihe, wenn sich mal wieder jemand traut, ‘The Diekman’ herauszufordern. “

In eine ähnliche Richtung könnte auch die Nachrichtenwerttheorie weisen. Vereinfacht gesagt sind Nachrichtenfaktoren Eigenschaften einer Nachricht. Umso mehr solcher Eigenschaften ein Ereignis aufweist, umso mehr Nachrichtenwert hat es und umso wahrscheinlicher wird es in den Nachrichten thematisiert. Nachrichtenfaktoren sind Interesse auslösende Faktoren, die das Publikum neugierig machen (oder von den verantwortlichen Journalisten zugeschrieben werden).

Wenn man die Tweets Diekmanns an der klassischen Nachrichtenwerttheorie (Faktoren nach Walther von La Roche) misst, findet sich der ein oder andere Nachrichtenfaktor. Am deutlichsten tritt das Merkmal “Kampf” hervor. So hat Diekmann einige Konflikte mit durchaus prominenten Personen auf Twitter ausgetragen. Weiter gab es kuriose Tweets in der Berichterstattung und die Affären, die von Diekmann thematisiert wurden, können durchaus als dramatisch bezeichnet werden. Auch die Nähe der Tweets zum Branchenpublikum ist erkennbar.

  1. Konflikt/Kampf: iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48
  2. Prominenz: iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48
  3. Dramatik:iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48
  4. Nähe: iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48
  5. Kuriosität: iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48

Andere Nachrichtenfaktoren sucht man in Diekmanns Tweets vergeblich. So ist er nicht gerade dafür bekannt, auf die Emotionsdrüse zu drücken. Auch die  “Liebe” fehlt in Diekmanns Tweets und die Nachrichtenfaktoren “Nutzen” und “Fortschritt” finden sich in den Tweets die zu Nachrichten werden eher weniger.

  1. Folgenschwere/ Wichtigkeit: iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48
  2. Fortschritt: iconmonstr-light-bulb-17-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48
  3. Nutzen: iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48
  4. Liebe/ Sex: iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48
  5. Gefühl:iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48iconmonstr-light-bulb-2-icon-48

Mit dieser hochkomplexen wissenschaftlichen Untersuchung dürfte nun auch bewiesen sein, dass Diekmanns Tweets einen gewissen Nachrichtenwert besitzen. Anderer Meinung? Ihr könnt eure Einschätzungen und Meinungen gerne im Kommentarfeld posten!

Foursquare-Chronik: Milestones & Nutzerzahlen (2009-2014)

Check-in-Game, Yelp-Konkurrent oder Social Network? Foursquare bietet in naher Zukunft viel Diskussionsstoff, sowohl aus Unternehmens– als auch aus Nutzerperspektive. Aber auch die Vergangenheit des Unternehmens ist turbulent. Foursquare wurde (wie schon Twitter) auf dem South by Southwest Festival im Jahr 2009 vorgestellt und von Anfang an gehypt. Das Unternehmen hat sich enorm schnell entwickelt. Im Vergleich mit Groupon, Facebook oder Google  zog es jedoch immer den Kürzeren.

Hier werden einige Meilensteine aus der Geschichte des jungen Unternehmens vorgestellt. Anhand der Investitionssummen und der postulierten Unternehmenswerte wird die Entwicklung des Unternehmens aufgezeigt. Als weiterer Indikator dienen die jährlichen Nutzerzahlen. Da Foursquare selbst keine regelmäßigen Nutzerzahlen veröffentlicht (und auch sonst eine unstetige Unternehmenskommunikation hatte), stammen die aufgeführten Kennziffern oftmals aus journalistischen Quellen. Flashback 2009!

2009: Gründung & erste Kapitalspritze

Im Jahr der Gründung investierten Union Square Ventures und O’Reilly AlphaTech Ventures 1,35 Millionen Dollar in das New Yorker Startup und auch der Twitter Co-Founder Jack Dorsey trat als Business Angel auf. Das Unternehmen wurde zu dieser Zeit mit 6 bis 6,5 Millionen Dollar bewertet. Dennis Crowley war damals nicht unbekannt in der Tech-Szene, da er Jahre zuvor bereits das SMS-basierte location-based Social Network Dodgeball gegründet und an Google verkauft hatte. Crowley gründete Foursquare angeblich in einer Art Trotzreaktion, als Google Dodgeball einstellte.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2009:

iconmonstr-coin-10-icon-256 6,5 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 40.000 Nutzer

2010: Fast-Übernahme durch Facebook & Hype

Im Jahr 2010 war Foursquare der absolute Liebling der Szene. Das Startup konnte damals mit Ben Horowitz und Marc Andreessen im Juni 2010 erstmals große Investoren ins Boot holen. Andreessen Horowitz investierte (nach kurzem Geplänkel) 20 Millionen US Dollar in das junge Unternehmen, das somit 115 Millionen wert war. Foursquare verwendete das frische Geld u.a. für neue Räumlichkeiten und zusätzliches Personal (Hier gibt es Bilder und hier ein Video aus dem schicken New Yorker Büro).

Zuvor hatte Foursquare ein Übernahmeangebot von Facebook über 120 Millionen Dollar abgelehnt. Foursquare forderte angeblich 150 Millionen, was Facebook allerdings zu viel war.

+++Foursquare auf allen Sendern+++

Crowley Wired U.K. Cover 2010Crowley Cover Business Punk 2010Crowley Cover Entrepreneur Magazine December 2010

Neben der Wired UK hatte auch die deutsche Business Punk und das amerikanische Entrepreneur Magazin Crowley im Jahr 2010 auf dem Cover. Nicht gerade mit zurückhaltenden Statements…

Der Hype war nicht unbegründet: Foursquare wuchs zu dieser Zeit schnell, sogar schneller als Twitter in seiner Anfangszeit. Im ersten Halbjahr 2010 verzeichnete Foursquare eine Million Nutzer. Gegen Ende 2010 waren es dann schon vier Millionen Nutzer weltweit.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2010:

iconmonstr-coin-10-icon-256 115 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 4 Millionen Nutzer

2011: Das Jahr der Internationalisierung

Zum Jahreswechsel 2010/2011 wuchs die Anzahl der User in nur anderthalb Monaten von Dezember 2010 bis Ende Januar 2011 um eine Million. Täglich meldeten sich 25.000 neue Nutzer an und es wurde 2 Millionen mal eingecheckt. Im gesamten Jahr 2011 wuchs Foursquare mit extremer Geschwindigkeit: 10 Millionen Menschen nutzten Foursquare im Juni 2011.

Im Jahr 2011 brachte Foursquare zudem die App in deutscher Sprache auf dem Markt. Die internationale Expansion fiel aber im Vergleich zur Konkurrenz etwas zaghaft aus. So setzte Foursquare damals auf ein Botschafterprogramm, bei dem aktive User verschiedene Händler und Restaurantbetreiber zur Foursquare-Nutzung animieren sollten. Zu einem zukünftigen Geschäftsmodell sagte Crowley damals:

„Wir wollen so viele Nutzer wie möglich auf die Seite holen. Künftig können wir uns aber so etwas wie Google Adwords vorstellen, also dass wir jedes Mal Geld bekommen, wenn wir einen Kunden in den Laden locken. Oder wir können uns auch vorstellen, dass die Händler zahlen, wenn sie unsere Instrumente nutzen. Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, sehen aber einige Möglichkeiten, Geld zu verdienen.“

Die Investoren waren jedenfalls überzeugt. So erhielt Foursquare weitere 50 Millionen US Dollar (von den bestehenden Investoren und Spark Capital) und wurde daraufhin mit 600 Millionen bewertet.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2011:

iconmonstr-coin-10-icon-256600 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 10 Millionen Nutzer

2012: Erstmals Werbung in der App

Zum Foursquare-Day 2012 (ja, dem 16. April) veröffentlichte Foursquare dieses Image-Video. Im Video stellten Foursquare-Mitarbeiter verschiedene Fakten zum location-based Social Network vor: So nutzten mittlerweile 20 Millionen Menschen Foursquare und in den vergangenen Jahren wurde insgesamt 2 Milliarden mal eingecheckt.

 

Mitte 2012 sprang Foursquare auf den Sponsored-Post-Zug auf und ermöglichte erstmals Werbeanzeigen. So war es möglich potentielle Kunden in der Nähe von Restaurants und Shops über Foursquare anzusprechen. Insgesamt konnte Foursquare mit dem Verkauf von personalisierten Gutescheinen 2012 zwei Millionen Dollar einnehmen. Diesbezüglich wurde Foursquare oft mit Facebook verglichen (IPO in 2012), das im vierten Jahr seiner Firmengeschichte bereits 153 Millionen US Dollar durch Werbung umgesetzt hatte. So wurden vermehrt Zweifel an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells von Foursquare laut. Insiderberichten zufolge wurde Foursquare damals intern mit 769 Millionen US Dollar bewertet.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2012:

iconmonstr-coin-10-icon-256 600 Millionen US Dollar (Stand 2011)

iconmonstr-user-14-icon-256 20 Millionen Nutzer

 2013: (Endlich) ein Geschäftsmodell

2013 öffnete Foursquare seine Werbeplattform für lokale Händler und präsentiert damit ein handfestes Geschäftsmodell. Restaurants oder Betreiber von Bars sollten für 50 bis 500 Dollar im Monat auf Foursquare werben und so laut Dennis Crowley bis zu 40 Millionen Dollar jährlich in Foursquares Taschen spülen. Für den Chief Revenue Officer Steven Rosenblatt war das neue System ein klarer Vorteil für lokale Händler und Gastronomen:

“It’s pretty simple: People see an ad when they’re by your business, and it drives them into the store. They’re seeing real customers–real ROI.”

Auch in Deutschland sollte der Check-in-Dienst so Umsätze generieren, wie der damalige Head of Business Development Holger Lüdorf t3n auf der dmexco 2013 erklärte:

2013 konnte man erahnen, dass durch einen Hype erzeugte Erwartungen nur schwer zu erfüllen sind. So sagte Crowley zum ständigen Vergleich mit anderen (erfolgreicheren) Internetunternehmen wie Facebook und Google:

“People will say, ‘Oh, you’re not killing it like Google.’ Well, Google’s got 50,000 people. ‘You guys aren’t as profitable as Facebook.’ Yeah, well, they have 4,900 people and have been around for 10 years. We’re [four-and-a-half] years old with 160 people: Give us a chance to grow into what we are.”

Foursquare erhielt im April 2013 41 Millionen US Dollar von den Investoren (und dem Private Equity Fund Silver Lake Partners). Das Geld wurde allerdings zu einem großen Teil als Kredit ausgezahlt. Da keine Aktien ausgegeben wurden, konnte Foursquare eine öffentliche Festsetzung des aktuellen Unternehmenswerts weiter hinauszögern. Ende 2013 erhielt das Unternehmen weitere 35 Millionen US Dollar in einer sog. Series D Round von DFJ Growth und dem Smallcap World Fund. Auch dann herrschte Stillschweigen über den tatsächlichen Unternehmenswert. Lediglich die aktuellen Nutzerzahlen wurden öffentlich: So sagte Crowley damals, dass es 45 Millionen Nutzer der Foursquare-App gebe, die insgesamt 5 Milliarden Check-ins vollzogen hatten.

Auf allesfoursquare.de berechnete Achim Hepp 2013 die Nutzerzahlen für Foursquare im deutschsprachigen Raum auf Basis von Check-ins. Er kam mit einer vagen Schätzung auf ca. 500.000 Nutzer. Auch Christina Quast kam bei der Auswertung verschiedener Studien auf Zahlen in dieser Größenordnung. So bezifferte sie die Anzahl der Nutzer (basierend auf Studien der Bitkom & Tomorrow Focus) auf 542.000 bis 798.000 Nutzer in Deutschland.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2013:

iconmonstr-coin-10-icon-256 600 Millionen US Dollar (Stand 2011)

iconmonstr-user-14-icon-256 45 Millionen Nutzer

2014: Das Jahr der Evolution (oder Revolution?)

Im Februar 2014 wurde bekannt, dass Microsoft mit 15 Millionen Dollar als strategischer Investor bei Foursquare einsteigt. Zusätzlich vereinbarten die zwei Firmen einen Lizenzdeal über 4 Jahre und weitere 15 Millionen Dollar: Microsoft erhält im Gegenzug Zugang zu Daten von Foursquare. Der Software-Riese will die Foursquare-Informationen über weltweit 60 Millionen Orte nutzen, um die Ergebnisse der Suchmaschine Bing zu verbessern. Forbes schätzte den Wert von Foursquare daraufhin auf 650 Millionen Dollar.

Mai 2014: Foursquare stellt Swarm vor. Die Check-in-Fuktion soll zukünftig ausschließlich über die neue App ausgeführt werden. Foursquare teilt sich damit und verfolgt (wie andere Internetunternehmen) eine Mehr-App-Strategie. Außerdem kündig Crowley eine komplette Neuausrichtung von Foursquare an, die, wie er sagt, eigentlich gar nicht so neu sei:

“Listen, the point of the company, this whole thing, was never to build an awesome check-in button” – “What does a version of Foursquare look like that doesn’t beg you to check in as soon as you open it up?”

Die Auslagerung der Check-in-Funktion in Swarm war die erste Veränderung, die Crowley seit Ende 2013 vorangetrieben hat. In einem zweiten Schritt soll aus der Foursquare-App ein persöhnlicher Umgebungsratgeber werden. Es wird vermutet, dass Foursquare so den Sprung aus der Nische in den Mainstream schaffen will. Die Expertise für individuelle Tipps und das technische Know-How für persönliche Empfehlungen hat Foursquare, das ist nach mehr als 5 Jahren unbestritten. Wie die neue Strategie von den Nutzern angenommen wird, ist dagegen offen.

Foursquare Logo new

Im Juli 2013 stellte Foursquare ein neues Logo vor und gab erste Einblicke in die neue Foursquare-App. Ganz nebenbei erklärte man im Firmenblog, das die Foursquare-Community jetzt 50 Millionen Mitglieder habe. Man darf also durchaus auf die Neuigkeiten gespannt sein, die Foursquare in der nächsten Zeit veröffentlichen wird.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2014:

iconmonstr-coin-10-icon-256 650 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 50 Millionen Nutzer

 

Zusätzliche Infos:

Auf der Website des Businessinsider gibt es ein Diagramm zur Entwicklung der Foursquare-Nutzerzahlen seit 2009. Und wer mehr über Dennis Crowley erfahren möchte, sollte dieses empfehlenswerte Portrait von Austin Carr aus dem Jahr 2013 lesen. Auf Businessinsider gibt es außerdem eine Bilderstrecke zum Werdegang von Dennis Crowley.

Konformitätserklärung! Foursquare drängt in den Mainstream der Nutzer

Bei Foursquare stehen weitreichende Änderungen an. Die Foursquare-App soll zu einer Art individuellem Umgebungsratgeber werden, der im Vergleich zu anderen lokalen Suchen persönlich angepasste Ergebnisse liefern soll. Wer Foursquare sagt was er mag, soll in Zukunft Vorschläge aus der Umgebung erhalten, die perfekt zu seinem Geschmack passen. Damit wird Foursquare zur standortbezogenen Bewertungsplattform und tritt in direkte Konkurrenz zu Yelp. Foursquare kündigt nichts weniger als die Zukunft der personalisierten lokalen Suche an, die schon immer das Ziel des Unternehmens gewesen sein soll.

Abgecheckt wird auf Foursquare, eingecheckt über Swarm

Eingecheckt wird zukünftig ausschließlich mit der Swarm-App. Wie Forursquare mitteilt, werden alle bisherigen Check-ins in die Swarm-App mitgenommen. Wer zukünftig beide Apps nutzt, soll in der Foursquare-App einen Check-in-Button haben, mit welchem er (wenn er möchte) einchecken kann. Check-ins zählen also bald nicht mehr zur Kernfunktion von Foursquare. Das erregt die Gemüter der Foursquare-Nutzer auf twitter:

 

Im Vergleich dazu hat das Redesign des Foursquare-Logos (eine Mischung aus Superhelden-Symbol und Positionsnadel) für relativ wenig Wirbel gesorgt. Obwohl Redesigns derzeit dank Airbnb durchaus Diskussionsstoff enthalten. Allerdings handelt es sich bereits um die zweite Empörungswelle Richtung Foursquare in der letzten Zeit. Schon bei der Einführung von Swarm zogen nicht gerade Begeisterungsstürme auf:

 

Musste sich Foursquare verändern?

Foursquare wird ohne die Check-in-Funktion auch für Menschen interessant, die ihren eigenen Standort nicht in einem Social Network teilen wollen, aber wohl an lokalen Informationen interessiert sind. Wie der Goldmedia-Monitor 2014 zeigt, sind das nicht wenige: So haben 87% der Befragten bereits unterwegs nach lokalen Informationen gesucht, aber kontextintensive Dienste wurden wenig akzeptiert, LBS-Spiele sogar abgelehnt. Foursquare (als kontextintensives location-based mobile Social Network und als Hauptvertreter der Gamification) sah sich womöglich gezwungen zu handeln.

Grundsätzlich darf man auf die neue Foursquare-App gespannt sein. Foursquare hat in den 5 Jahren seit seiner Gründung viel über beliebte Orte und das mobile Nutzerverhalten gelernt und besitzt mit Sicherheit Expertise als lokaler Ratgeber. Die personalisierbaren Empfehlungen können zudem einen Mehrwert im Vergleich mit anderen lokalen Empfehlungsdiensten darstellen.

Mit der jetzt angekündigten Neuaufstellung klingt die Auslagerung der Check-in-Funktion und die Zweiteilung der App zumindest aus Unternehmnesperspektive nachvollziehbar. Man fragt sich allerdings, ob es nicht sensitivere Strategien gegeben hätte, die immerhin 50 Millionen Nutzer an eine komplette Neuausrichtung zu gewöhnen. Spontan kommt einem da bspw. die Einführung einer separaten Foursquare-Empfehlungs-App in den Sinn.

Foursquare und seine Vorfahren aus wissenschaftlicher Perspektive

(Wissenschaftliche Quellen zu Location-based Services Teil II)

Da ich mich in meiner Abschlussarbeit auf soziale Auswirkungen von location-based Services konzentriert habe, möchte ich hier einige qualitative Studien vorstellen, die mir nützliche Informationen zur Nutzung von location-based mobile Social Networks geliefert haben.

In einem ersten Post habe ich bereits einige grundlegende wissenschaftliche Quellen zu LBS vorgestellt. Auch die hier vorgestellten kommunikationswissenschaftlichen Studien können nur mit einem entsprechenden Zugang abgerufen oder müssen erworben werden.

In diesem Beitrag werden ausgewählte Studien zu location-based mobile Social Networks vorgestellt.

Lee Humphreys Pionierarbeit zu Dodgeball

Lee Humphreys führte eine qualitative Pionierstudie zu „Dodgeball“ durch, einem der ersten location-based mobile Social Networks. Dodgeball wurde im Jahr 2000 von Dennis Crowley gegründet (dem Dennis Crowley, der später auch Foursquare gründete) und basierte auf dem SMS-System. Bei der Nutzung von Dodgeball wurden User auf Freunde in der Nähe aufmerksam gemacht. Im Jahr 2005 wurde Dodgeball von Google übernommen und 2009 durch Google Latitude ersetzt.
In der Studie werden die Auswirkungen der Nutzung von Dodgeball auf das Interaktionsverhalten der Nutzer untersucht. Hier die Links zu 2 Artikeln aus den Jahren 2007 und 2010 in denen die Ergebnisse der Studie vorgestellt werden:

Lee Humphreys (2007): Mobile Social Networks and Social Practice: A Case Study of Dodgeball. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2007.00399.x/abstract

Lee Humphreys (2010): Mobile social networks and urban public space. http://nms.sagepub.com/content/12/5/763.abstract

Soziale Interaktion durch mobiles Geotagging

In einer ebenfalls qualitativen Studie untersuchen Humphreys und Liao die Nutzung des mittlerweile eingestellten location-based Social Networks „Socialight“. Bei der Nutzung von Socialight konnten die User bestimmte Orte mit Geotags versehen und diese bspw. ihren Freunden empfehlen oder persönliche Beschreibungen zu Orten hinzufügen. Obwohl es das Social Network nicht mehr gibt, dürften die Ergebnisse auch weiterhin relevant sein. Die Forscher decken u.a. auf, dass sich die Nutzung von Socialight auf die Wahrnehmung der Orte und auf das Identitätsmanagement der User auswirkte. Hier gibt es den kompletten Artikel:

Lee Humphreys/Tony Liao (2011): Mobile Geotagging: Reexamining Our Interactions with Urban Space. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2011.01548.x/abstract

Foursquare und die Gamification des Alltags

Jordan Frith betrachtet die Nutzung des location-based mobile Social Networks Foursquare vor dem Hintergrund der Gamification des Alltags. Frith kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Foursquare erheblichen Einfluss auf die alltäglichen Wege der Nutzer haben und somit deren Mobilitätsentscheidungen beeinflussen kann.

Jordan Frith (2013): Turning life into a game: Foursquare, gamification, and personal mobility. http://mmc.sagepub.com/content/1/2/248.abstract

Wem die Studie zu trocken ist, der kann sich hier ein Interview mit Dennis Crowley anschauen, das in eine ähnliche Richtung zielt:

Weitere Forschung zu location-based Services

Die folgenden Wissenschaftler haben ebenfalls informative Artikel und Studien zu LBS veröffentlicht. Da das kommunikationswissenschaftliche Forschungsfeld zu LBS bisher nicht vor Literatur strotzt, hier ein Überblick über eine Auswahl aktiver Forscher:

Adriana de Souza e Silva, entwickelte u.a. das Konzept der Hybrid Spaces (Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über LBS) http://www.souzaesilva.com/pub.htm

Christian Licoppe, thematisierte u.a. die Folgen von On-Screen-Begegnungen durch standortbezogene Dienste. http://ses.telecom-paristech.fr/licoppe/

Larissa Hjorth, erforschte die Auswirkungen von standortbezogenen Diensten teilweise mit Schwerpunkt auf dem asiatischen Raum. http://www.larissahjorth.net/list-of-publications/

Ich bin mir sicher, dass es noch viele weitere Forscher gibt, denen ich bei meiner Recherche nicht direkt über den Weg gelaufen bin. Solltet ihr bedeutende kommunikationswissenschaftliche Forscher aus dem Feld der LBS kennen, könnt ihr diese gerne ins Kommentarfeld posten.