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Foursquare und seine Vorfahren aus wissenschaftlicher Perspektive

(Wissenschaftliche Quellen zu Location-based Services Teil II)

Da ich mich in meiner Abschlussarbeit auf soziale Auswirkungen von location-based Services konzentriert habe, möchte ich hier einige qualitative Studien vorstellen, die mir nützliche Informationen zur Nutzung von location-based mobile Social Networks geliefert haben.

In einem ersten Post habe ich bereits einige grundlegende wissenschaftliche Quellen zu LBS vorgestellt. Auch die hier vorgestellten kommunikationswissenschaftlichen Studien können nur mit einem entsprechenden Zugang abgerufen oder müssen erworben werden.

In diesem Beitrag werden ausgewählte Studien zu location-based mobile Social Networks vorgestellt.

Lee Humphreys Pionierarbeit zu Dodgeball

Lee Humphreys führte eine qualitative Pionierstudie zu „Dodgeball“ durch, einem der ersten location-based mobile Social Networks. Dodgeball wurde im Jahr 2000 von Dennis Crowley gegründet (dem Dennis Crowley, der später auch Foursquare gründete) und basierte auf dem SMS-System. Bei der Nutzung von Dodgeball wurden User auf Freunde in der Nähe aufmerksam gemacht. Im Jahr 2005 wurde Dodgeball von Google übernommen und 2009 durch Google Latitude ersetzt.
In der Studie werden die Auswirkungen der Nutzung von Dodgeball auf das Interaktionsverhalten der Nutzer untersucht. Hier die Links zu 2 Artikeln aus den Jahren 2007 und 2010 in denen die Ergebnisse der Studie vorgestellt werden:

Lee Humphreys (2007): Mobile Social Networks and Social Practice: A Case Study of Dodgeball. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2007.00399.x/abstract

Lee Humphreys (2010): Mobile social networks and urban public space. http://nms.sagepub.com/content/12/5/763.abstract

Soziale Interaktion durch mobiles Geotagging

In einer ebenfalls qualitativen Studie untersuchen Humphreys und Liao die Nutzung des mittlerweile eingestellten location-based Social Networks „Socialight“. Bei der Nutzung von Socialight konnten die User bestimmte Orte mit Geotags versehen und diese bspw. ihren Freunden empfehlen oder persönliche Beschreibungen zu Orten hinzufügen. Obwohl es das Social Network nicht mehr gibt, dürften die Ergebnisse auch weiterhin relevant sein. Die Forscher decken u.a. auf, dass sich die Nutzung von Socialight auf die Wahrnehmung der Orte und auf das Identitätsmanagement der User auswirkte. Hier gibt es den kompletten Artikel:

Lee Humphreys/Tony Liao (2011): Mobile Geotagging: Reexamining Our Interactions with Urban Space. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2011.01548.x/abstract

Foursquare und die Gamification des Alltags

Jordan Frith betrachtet die Nutzung des location-based mobile Social Networks Foursquare vor dem Hintergrund der Gamification des Alltags. Frith kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Foursquare erheblichen Einfluss auf die alltäglichen Wege der Nutzer haben und somit deren Mobilitätsentscheidungen beeinflussen kann.

Jordan Frith (2013): Turning life into a game: Foursquare, gamification, and personal mobility. http://mmc.sagepub.com/content/1/2/248.abstract

Wem die Studie zu trocken ist, der kann sich hier ein Interview mit Dennis Crowley anschauen, das in eine ähnliche Richtung zielt:

Weitere Forschung zu location-based Services

Die folgenden Wissenschaftler haben ebenfalls informative Artikel und Studien zu LBS veröffentlicht. Da das kommunikationswissenschaftliche Forschungsfeld zu LBS bisher nicht vor Literatur strotzt, hier ein Überblick über eine Auswahl aktiver Forscher:

Adriana de Souza e Silva, entwickelte u.a. das Konzept der Hybrid Spaces (Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über LBS) http://www.souzaesilva.com/pub.htm

Christian Licoppe, thematisierte u.a. die Folgen von On-Screen-Begegnungen durch standortbezogene Dienste. http://ses.telecom-paristech.fr/licoppe/

Larissa Hjorth, erforschte die Auswirkungen von standortbezogenen Diensten teilweise mit Schwerpunkt auf dem asiatischen Raum. http://www.larissahjorth.net/list-of-publications/

Ich bin mir sicher, dass es noch viele weitere Forscher gibt, denen ich bei meiner Recherche nicht direkt über den Weg gelaufen bin. Solltet ihr bedeutende kommunikationswissenschaftliche Forscher aus dem Feld der LBS kennen, könnt ihr diese gerne ins Kommentarfeld posten.

 

 

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Wissenschaftliche Quellen zu Location-based Services (Teil I)

Der Gedanke, dass Location-based Services die Online- und Offline-Welt miteinander verbinden können, ist faszinierend. Folglich steigt die Anzahl an Blogs und Newsseiten, die sich mit dem Thema befassen.

So erfreulich die wachsende Berichterstattung zum Thema LBS ist, so ernüchternd ist der wissenschaftliche Forschungsstand dazu. Wer eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema location-based Services schreiben will, blickt erst einmal auf ein Literatur-Ödland. Allerdings gibt es Forscher, die sich seit geraumer Zeit mit dem Thema befassen. Die Ergebnisse der Studien sind nicht nur für wissenschaftliche Arbeiten relevant.

In diesem Artikel werden grundlegende kommunikationswissenschaftliche Quellen zu Location-based Services vorgestellt.

Wissenschaftliche Artikel vs. frei zugängliche Quellen

Viele wissenschaftliche Texte sind nur mit einer Mitgliedschaft zugänglich und bspw. im Netz einer Universitätsbibliothek abrufbar. Die folgenden Quellen können entweder mit einem entsprechenden Zugang abgerufen oder erworben werden. Alternative frei zugängliche Quellen und Statistiken zu location-based Services werden in einem kommenden Blogpost vorgestellt.

Die wissenschaftliche Fachzeitschrift „Mobile Media & Communication“

Die im Jahr 2013 gegründete englischsprachige Fachzeitschrift erscheint im amerikanischen Sage Verlag und ist hier online abrufbar: http://www.sagepub.com/journals/Journal202140. Nach eigener Aussage untersucht MM&C

„the phenomenon of mobility in communication – that is, what is understood as mobile media and communication, but also emerging phenomena such as mobile and ubiquitous computing.“

Renommierte Wissenschaftler veröffentlichen in Mobile Media & Communication sowohl qualitative als auch quantitative Studien und Artikel zu verschiedensten Facetten der mobilen Kommunikation.

Grundlegende Texte zu Location-based Services

Adriana de Souza e Silva stellt in der ersten Ausgabe im Januar 2013 die aus ihrer Sicht relevanten Forschungsstränge zu standortbezogenen mobilen Technologien vor. Die Forschung zu location-based Services behandelt ihr zufolge vor allem die Auswirkungen auf räumliche und soziale Gesichtspunkte und liefert Arbeiten in historischer Perspektive. der

Die Zeitschrift Mobile Media & Communication bietet vielseitige wissenschaftliche Einstiegsmöglichkeiten ins Thema der location-based Services. Ein Blick in das (bisher überschaubare) Archiv und speziell in die erste Ausgabe (mit diversen Einführungstexten) dürfte sich lohnen.

iconmonstr-light-bulb-17-icon-256Einstieg: Erste Ausgabe der Mobile Media & Communication

Ein Konzept zur Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über location-based Services

Neben verschiedenen Studien zu Auswirkungen von location-based Services (ihre bisherigen Publikationen) hat de Souza e Silva schon im Jahr 2006 ein Konzept veröffentlicht, mit dem sich die zunehmende Verbindung von virtuellen Informationen und physischen Positionen der Nutzer über Smartphones (von ihr damals als „Microcomputers“ bezeichnet) über location-based Services beschreiben lässt. Sie nennt dieses Konzept „hybrid spaces“. Hier gibt es den Artikel, der die zunehmende Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über LBS beschreibt:

Adriana de Souza e Silva (2006): From Cyber to Hybrid. Mobile Technologies as Interfaces of Hybrid Spaces. http://sac.sagepub.com/content/9/3/261.abstract

Die genannten Quellen bieten einen guten Einstieg in das Thema location-based Services bzw. locative Media aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Neben diesen Grundlagen stelle ich in diesem Beitrag noch einige Studien vor, die die sozialen Auswirkungen der Nutzung von LBS untersuchen und meiner Meinung nach interessante Erkenntnisse liefern.