Tagged: Location-based Services

Foursquare-Chronik: Milestones & Nutzerzahlen (2009-2014)

Check-in-Game, Yelp-Konkurrent oder Social Network? Foursquare bietet in naher Zukunft viel Diskussionsstoff, sowohl aus Unternehmens– als auch aus Nutzerperspektive. Aber auch die Vergangenheit des Unternehmens ist turbulent. Foursquare wurde (wie schon Twitter) auf dem South by Southwest Festival im Jahr 2009 vorgestellt und von Anfang an gehypt. Das Unternehmen hat sich enorm schnell entwickelt. Im Vergleich mit Groupon, Facebook oder Google  zog es jedoch immer den Kürzeren.

Hier werden einige Meilensteine aus der Geschichte des jungen Unternehmens vorgestellt. Anhand der Investitionssummen und der postulierten Unternehmenswerte wird die Entwicklung des Unternehmens aufgezeigt. Als weiterer Indikator dienen die jährlichen Nutzerzahlen. Da Foursquare selbst keine regelmäßigen Nutzerzahlen veröffentlicht (und auch sonst eine unstetige Unternehmenskommunikation hatte), stammen die aufgeführten Kennziffern oftmals aus journalistischen Quellen. Flashback 2009!

2009: Gründung & erste Kapitalspritze

Im Jahr der Gründung investierten Union Square Ventures und O’Reilly AlphaTech Ventures 1,35 Millionen Dollar in das New Yorker Startup und auch der Twitter Co-Founder Jack Dorsey trat als Business Angel auf. Das Unternehmen wurde zu dieser Zeit mit 6 bis 6,5 Millionen Dollar bewertet. Dennis Crowley war damals nicht unbekannt in der Tech-Szene, da er Jahre zuvor bereits das SMS-basierte location-based Social Network Dodgeball gegründet und an Google verkauft hatte. Crowley gründete Foursquare angeblich in einer Art Trotzreaktion, als Google Dodgeball einstellte.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2009:

iconmonstr-coin-10-icon-256 6,5 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 40.000 Nutzer

2010: Fast-Übernahme durch Facebook & Hype

Im Jahr 2010 war Foursquare der absolute Liebling der Szene. Das Startup konnte damals mit Ben Horowitz und Marc Andreessen im Juni 2010 erstmals große Investoren ins Boot holen. Andreessen Horowitz investierte (nach kurzem Geplänkel) 20 Millionen US Dollar in das junge Unternehmen, das somit 115 Millionen wert war. Foursquare verwendete das frische Geld u.a. für neue Räumlichkeiten und zusätzliches Personal (Hier gibt es Bilder und hier ein Video aus dem schicken New Yorker Büro).

Zuvor hatte Foursquare ein Übernahmeangebot von Facebook über 120 Millionen Dollar abgelehnt. Foursquare forderte angeblich 150 Millionen, was Facebook allerdings zu viel war.

+++Foursquare auf allen Sendern+++

Crowley Wired U.K. Cover 2010Crowley Cover Business Punk 2010Crowley Cover Entrepreneur Magazine December 2010

Neben der Wired UK hatte auch die deutsche Business Punk und das amerikanische Entrepreneur Magazin Crowley im Jahr 2010 auf dem Cover. Nicht gerade mit zurückhaltenden Statements…

Der Hype war nicht unbegründet: Foursquare wuchs zu dieser Zeit schnell, sogar schneller als Twitter in seiner Anfangszeit. Im ersten Halbjahr 2010 verzeichnete Foursquare eine Million Nutzer. Gegen Ende 2010 waren es dann schon vier Millionen Nutzer weltweit.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2010:

iconmonstr-coin-10-icon-256 115 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 4 Millionen Nutzer

2011: Das Jahr der Internationalisierung

Zum Jahreswechsel 2010/2011 wuchs die Anzahl der User in nur anderthalb Monaten von Dezember 2010 bis Ende Januar 2011 um eine Million. Täglich meldeten sich 25.000 neue Nutzer an und es wurde 2 Millionen mal eingecheckt. Im gesamten Jahr 2011 wuchs Foursquare mit extremer Geschwindigkeit: 10 Millionen Menschen nutzten Foursquare im Juni 2011.

Im Jahr 2011 brachte Foursquare zudem die App in deutscher Sprache auf dem Markt. Die internationale Expansion fiel aber im Vergleich zur Konkurrenz etwas zaghaft aus. So setzte Foursquare damals auf ein Botschafterprogramm, bei dem aktive User verschiedene Händler und Restaurantbetreiber zur Foursquare-Nutzung animieren sollten. Zu einem zukünftigen Geschäftsmodell sagte Crowley damals:

„Wir wollen so viele Nutzer wie möglich auf die Seite holen. Künftig können wir uns aber so etwas wie Google Adwords vorstellen, also dass wir jedes Mal Geld bekommen, wenn wir einen Kunden in den Laden locken. Oder wir können uns auch vorstellen, dass die Händler zahlen, wenn sie unsere Instrumente nutzen. Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, sehen aber einige Möglichkeiten, Geld zu verdienen.“

Die Investoren waren jedenfalls überzeugt. So erhielt Foursquare weitere 50 Millionen US Dollar (von den bestehenden Investoren und Spark Capital) und wurde daraufhin mit 600 Millionen bewertet.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2011:

iconmonstr-coin-10-icon-256600 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 10 Millionen Nutzer

2012: Erstmals Werbung in der App

Zum Foursquare-Day 2012 (ja, dem 16. April) veröffentlichte Foursquare dieses Image-Video. Im Video stellten Foursquare-Mitarbeiter verschiedene Fakten zum location-based Social Network vor: So nutzten mittlerweile 20 Millionen Menschen Foursquare und in den vergangenen Jahren wurde insgesamt 2 Milliarden mal eingecheckt.

 

Mitte 2012 sprang Foursquare auf den Sponsored-Post-Zug auf und ermöglichte erstmals Werbeanzeigen. So war es möglich potentielle Kunden in der Nähe von Restaurants und Shops über Foursquare anzusprechen. Insgesamt konnte Foursquare mit dem Verkauf von personalisierten Gutescheinen 2012 zwei Millionen Dollar einnehmen. Diesbezüglich wurde Foursquare oft mit Facebook verglichen (IPO in 2012), das im vierten Jahr seiner Firmengeschichte bereits 153 Millionen US Dollar durch Werbung umgesetzt hatte. So wurden vermehrt Zweifel an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells von Foursquare laut. Insiderberichten zufolge wurde Foursquare damals intern mit 769 Millionen US Dollar bewertet.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2012:

iconmonstr-coin-10-icon-256 600 Millionen US Dollar (Stand 2011)

iconmonstr-user-14-icon-256 20 Millionen Nutzer

 2013: (Endlich) ein Geschäftsmodell

2013 öffnete Foursquare seine Werbeplattform für lokale Händler und präsentiert damit ein handfestes Geschäftsmodell. Restaurants oder Betreiber von Bars sollten für 50 bis 500 Dollar im Monat auf Foursquare werben und so laut Dennis Crowley bis zu 40 Millionen Dollar jährlich in Foursquares Taschen spülen. Für den Chief Revenue Officer Steven Rosenblatt war das neue System ein klarer Vorteil für lokale Händler und Gastronomen:

“It’s pretty simple: People see an ad when they’re by your business, and it drives them into the store. They’re seeing real customers–real ROI.”

Auch in Deutschland sollte der Check-in-Dienst so Umsätze generieren, wie der damalige Head of Business Development Holger Lüdorf t3n auf der dmexco 2013 erklärte:

2013 konnte man erahnen, dass durch einen Hype erzeugte Erwartungen nur schwer zu erfüllen sind. So sagte Crowley zum ständigen Vergleich mit anderen (erfolgreicheren) Internetunternehmen wie Facebook und Google:

“People will say, ‘Oh, you’re not killing it like Google.’ Well, Google’s got 50,000 people. ‘You guys aren’t as profitable as Facebook.’ Yeah, well, they have 4,900 people and have been around for 10 years. We’re [four-and-a-half] years old with 160 people: Give us a chance to grow into what we are.”

Foursquare erhielt im April 2013 41 Millionen US Dollar von den Investoren (und dem Private Equity Fund Silver Lake Partners). Das Geld wurde allerdings zu einem großen Teil als Kredit ausgezahlt. Da keine Aktien ausgegeben wurden, konnte Foursquare eine öffentliche Festsetzung des aktuellen Unternehmenswerts weiter hinauszögern. Ende 2013 erhielt das Unternehmen weitere 35 Millionen US Dollar in einer sog. Series D Round von DFJ Growth und dem Smallcap World Fund. Auch dann herrschte Stillschweigen über den tatsächlichen Unternehmenswert. Lediglich die aktuellen Nutzerzahlen wurden öffentlich: So sagte Crowley damals, dass es 45 Millionen Nutzer der Foursquare-App gebe, die insgesamt 5 Milliarden Check-ins vollzogen hatten.

Auf allesfoursquare.de berechnete Achim Hepp 2013 die Nutzerzahlen für Foursquare im deutschsprachigen Raum auf Basis von Check-ins. Er kam mit einer vagen Schätzung auf ca. 500.000 Nutzer. Auch Christina Quast kam bei der Auswertung verschiedener Studien auf Zahlen in dieser Größenordnung. So bezifferte sie die Anzahl der Nutzer (basierend auf Studien der Bitkom & Tomorrow Focus) auf 542.000 bis 798.000 Nutzer in Deutschland.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2013:

iconmonstr-coin-10-icon-256 600 Millionen US Dollar (Stand 2011)

iconmonstr-user-14-icon-256 45 Millionen Nutzer

2014: Das Jahr der Evolution (oder Revolution?)

Im Februar 2014 wurde bekannt, dass Microsoft mit 15 Millionen Dollar als strategischer Investor bei Foursquare einsteigt. Zusätzlich vereinbarten die zwei Firmen einen Lizenzdeal über 4 Jahre und weitere 15 Millionen Dollar: Microsoft erhält im Gegenzug Zugang zu Daten von Foursquare. Der Software-Riese will die Foursquare-Informationen über weltweit 60 Millionen Orte nutzen, um die Ergebnisse der Suchmaschine Bing zu verbessern. Forbes schätzte den Wert von Foursquare daraufhin auf 650 Millionen Dollar.

Mai 2014: Foursquare stellt Swarm vor. Die Check-in-Fuktion soll zukünftig ausschließlich über die neue App ausgeführt werden. Foursquare teilt sich damit und verfolgt (wie andere Internetunternehmen) eine Mehr-App-Strategie. Außerdem kündig Crowley eine komplette Neuausrichtung von Foursquare an, die, wie er sagt, eigentlich gar nicht so neu sei:

“Listen, the point of the company, this whole thing, was never to build an awesome check-in button” – “What does a version of Foursquare look like that doesn’t beg you to check in as soon as you open it up?”

Die Auslagerung der Check-in-Funktion in Swarm war die erste Veränderung, die Crowley seit Ende 2013 vorangetrieben hat. In einem zweiten Schritt soll aus der Foursquare-App ein persöhnlicher Umgebungsratgeber werden. Es wird vermutet, dass Foursquare so den Sprung aus der Nische in den Mainstream schaffen will. Die Expertise für individuelle Tipps und das technische Know-How für persönliche Empfehlungen hat Foursquare, das ist nach mehr als 5 Jahren unbestritten. Wie die neue Strategie von den Nutzern angenommen wird, ist dagegen offen.

Foursquare Logo new

Im Juli 2013 stellte Foursquare ein neues Logo vor und gab erste Einblicke in die neue Foursquare-App. Ganz nebenbei erklärte man im Firmenblog, das die Foursquare-Community jetzt 50 Millionen Mitglieder habe. Man darf also durchaus auf die Neuigkeiten gespannt sein, die Foursquare in der nächsten Zeit veröffentlichen wird.

Foursquare Unternehmenswert & Nutzerzahlen 2014:

iconmonstr-coin-10-icon-256 650 Millionen US Dollar

iconmonstr-user-14-icon-256 50 Millionen Nutzer

 

Zusätzliche Infos:

Auf der Website des Businessinsider gibt es ein Diagramm zur Entwicklung der Foursquare-Nutzerzahlen seit 2009. Und wer mehr über Dennis Crowley erfahren möchte, sollte dieses empfehlenswerte Portrait von Austin Carr aus dem Jahr 2013 lesen. Auf Businessinsider gibt es außerdem eine Bilderstrecke zum Werdegang von Dennis Crowley.

Advertisements

Konformitätserklärung! Foursquare drängt in den Mainstream der Nutzer

Bei Foursquare stehen weitreichende Änderungen an. Die Foursquare-App soll zu einer Art individuellem Umgebungsratgeber werden, der im Vergleich zu anderen lokalen Suchen persönlich angepasste Ergebnisse liefern soll. Wer Foursquare sagt was er mag, soll in Zukunft Vorschläge aus der Umgebung erhalten, die perfekt zu seinem Geschmack passen. Damit wird Foursquare zur standortbezogenen Bewertungsplattform und tritt in direkte Konkurrenz zu Yelp. Foursquare kündigt nichts weniger als die Zukunft der personalisierten lokalen Suche an, die schon immer das Ziel des Unternehmens gewesen sein soll.

Abgecheckt wird auf Foursquare, eingecheckt über Swarm

Eingecheckt wird zukünftig ausschließlich mit der Swarm-App. Wie Forursquare mitteilt, werden alle bisherigen Check-ins in die Swarm-App mitgenommen. Wer zukünftig beide Apps nutzt, soll in der Foursquare-App einen Check-in-Button haben, mit welchem er (wenn er möchte) einchecken kann. Check-ins zählen also bald nicht mehr zur Kernfunktion von Foursquare. Das erregt die Gemüter der Foursquare-Nutzer auf twitter:

 

Im Vergleich dazu hat das Redesign des Foursquare-Logos (eine Mischung aus Superhelden-Symbol und Positionsnadel) für relativ wenig Wirbel gesorgt. Obwohl Redesigns derzeit dank Airbnb durchaus Diskussionsstoff enthalten. Allerdings handelt es sich bereits um die zweite Empörungswelle Richtung Foursquare in der letzten Zeit. Schon bei der Einführung von Swarm zogen nicht gerade Begeisterungsstürme auf:

 

Musste sich Foursquare verändern?

Foursquare wird ohne die Check-in-Funktion auch für Menschen interessant, die ihren eigenen Standort nicht in einem Social Network teilen wollen, aber wohl an lokalen Informationen interessiert sind. Wie der Goldmedia-Monitor 2014 zeigt, sind das nicht wenige: So haben 87% der Befragten bereits unterwegs nach lokalen Informationen gesucht, aber kontextintensive Dienste wurden wenig akzeptiert, LBS-Spiele sogar abgelehnt. Foursquare (als kontextintensives location-based mobile Social Network und als Hauptvertreter der Gamification) sah sich womöglich gezwungen zu handeln.

Grundsätzlich darf man auf die neue Foursquare-App gespannt sein. Foursquare hat in den 5 Jahren seit seiner Gründung viel über beliebte Orte und das mobile Nutzerverhalten gelernt und besitzt mit Sicherheit Expertise als lokaler Ratgeber. Die personalisierbaren Empfehlungen können zudem einen Mehrwert im Vergleich mit anderen lokalen Empfehlungsdiensten darstellen.

Mit der jetzt angekündigten Neuaufstellung klingt die Auslagerung der Check-in-Funktion und die Zweiteilung der App zumindest aus Unternehmnesperspektive nachvollziehbar. Man fragt sich allerdings, ob es nicht sensitivere Strategien gegeben hätte, die immerhin 50 Millionen Nutzer an eine komplette Neuausrichtung zu gewöhnen. Spontan kommt einem da bspw. die Einführung einer separaten Foursquare-Empfehlungs-App in den Sinn.

Foursquare und seine Vorfahren aus wissenschaftlicher Perspektive

(Wissenschaftliche Quellen zu Location-based Services Teil II)

Da ich mich in meiner Abschlussarbeit auf soziale Auswirkungen von location-based Services konzentriert habe, möchte ich hier einige qualitative Studien vorstellen, die mir nützliche Informationen zur Nutzung von location-based mobile Social Networks geliefert haben.

In einem ersten Post habe ich bereits einige grundlegende wissenschaftliche Quellen zu LBS vorgestellt. Auch die hier vorgestellten kommunikationswissenschaftlichen Studien können nur mit einem entsprechenden Zugang abgerufen oder müssen erworben werden.

In diesem Beitrag werden ausgewählte Studien zu location-based mobile Social Networks vorgestellt.

Lee Humphreys Pionierarbeit zu Dodgeball

Lee Humphreys führte eine qualitative Pionierstudie zu „Dodgeball“ durch, einem der ersten location-based mobile Social Networks. Dodgeball wurde im Jahr 2000 von Dennis Crowley gegründet (dem Dennis Crowley, der später auch Foursquare gründete) und basierte auf dem SMS-System. Bei der Nutzung von Dodgeball wurden User auf Freunde in der Nähe aufmerksam gemacht. Im Jahr 2005 wurde Dodgeball von Google übernommen und 2009 durch Google Latitude ersetzt.
In der Studie werden die Auswirkungen der Nutzung von Dodgeball auf das Interaktionsverhalten der Nutzer untersucht. Hier die Links zu 2 Artikeln aus den Jahren 2007 und 2010 in denen die Ergebnisse der Studie vorgestellt werden:

Lee Humphreys (2007): Mobile Social Networks and Social Practice: A Case Study of Dodgeball. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2007.00399.x/abstract

Lee Humphreys (2010): Mobile social networks and urban public space. http://nms.sagepub.com/content/12/5/763.abstract

Soziale Interaktion durch mobiles Geotagging

In einer ebenfalls qualitativen Studie untersuchen Humphreys und Liao die Nutzung des mittlerweile eingestellten location-based Social Networks „Socialight“. Bei der Nutzung von Socialight konnten die User bestimmte Orte mit Geotags versehen und diese bspw. ihren Freunden empfehlen oder persönliche Beschreibungen zu Orten hinzufügen. Obwohl es das Social Network nicht mehr gibt, dürften die Ergebnisse auch weiterhin relevant sein. Die Forscher decken u.a. auf, dass sich die Nutzung von Socialight auf die Wahrnehmung der Orte und auf das Identitätsmanagement der User auswirkte. Hier gibt es den kompletten Artikel:

Lee Humphreys/Tony Liao (2011): Mobile Geotagging: Reexamining Our Interactions with Urban Space. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2011.01548.x/abstract

Foursquare und die Gamification des Alltags

Jordan Frith betrachtet die Nutzung des location-based mobile Social Networks Foursquare vor dem Hintergrund der Gamification des Alltags. Frith kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Foursquare erheblichen Einfluss auf die alltäglichen Wege der Nutzer haben und somit deren Mobilitätsentscheidungen beeinflussen kann.

Jordan Frith (2013): Turning life into a game: Foursquare, gamification, and personal mobility. http://mmc.sagepub.com/content/1/2/248.abstract

Wem die Studie zu trocken ist, der kann sich hier ein Interview mit Dennis Crowley anschauen, das in eine ähnliche Richtung zielt:

Weitere Forschung zu location-based Services

Die folgenden Wissenschaftler haben ebenfalls informative Artikel und Studien zu LBS veröffentlicht. Da das kommunikationswissenschaftliche Forschungsfeld zu LBS bisher nicht vor Literatur strotzt, hier ein Überblick über eine Auswahl aktiver Forscher:

Adriana de Souza e Silva, entwickelte u.a. das Konzept der Hybrid Spaces (Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über LBS) http://www.souzaesilva.com/pub.htm

Christian Licoppe, thematisierte u.a. die Folgen von On-Screen-Begegnungen durch standortbezogene Dienste. http://ses.telecom-paristech.fr/licoppe/

Larissa Hjorth, erforschte die Auswirkungen von standortbezogenen Diensten teilweise mit Schwerpunkt auf dem asiatischen Raum. http://www.larissahjorth.net/list-of-publications/

Ich bin mir sicher, dass es noch viele weitere Forscher gibt, denen ich bei meiner Recherche nicht direkt über den Weg gelaufen bin. Solltet ihr bedeutende kommunikationswissenschaftliche Forscher aus dem Feld der LBS kennen, könnt ihr diese gerne ins Kommentarfeld posten.

 

 

Wissenschaftliche Quellen zu Location-based Services (Teil I)

Der Gedanke, dass Location-based Services die Online- und Offline-Welt miteinander verbinden können, ist faszinierend. Folglich steigt die Anzahl an Blogs und Newsseiten, die sich mit dem Thema befassen.

So erfreulich die wachsende Berichterstattung zum Thema LBS ist, so ernüchternd ist der wissenschaftliche Forschungsstand dazu. Wer eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema location-based Services schreiben will, blickt erst einmal auf ein Literatur-Ödland. Allerdings gibt es Forscher, die sich seit geraumer Zeit mit dem Thema befassen. Die Ergebnisse der Studien sind nicht nur für wissenschaftliche Arbeiten relevant.

In diesem Artikel werden grundlegende kommunikationswissenschaftliche Quellen zu Location-based Services vorgestellt.

Wissenschaftliche Artikel vs. frei zugängliche Quellen

Viele wissenschaftliche Texte sind nur mit einer Mitgliedschaft zugänglich und bspw. im Netz einer Universitätsbibliothek abrufbar. Die folgenden Quellen können entweder mit einem entsprechenden Zugang abgerufen oder erworben werden. Alternative frei zugängliche Quellen und Statistiken zu location-based Services werden in einem kommenden Blogpost vorgestellt.

Die wissenschaftliche Fachzeitschrift „Mobile Media & Communication“

Die im Jahr 2013 gegründete englischsprachige Fachzeitschrift erscheint im amerikanischen Sage Verlag und ist hier online abrufbar: http://www.sagepub.com/journals/Journal202140. Nach eigener Aussage untersucht MM&C

„the phenomenon of mobility in communication – that is, what is understood as mobile media and communication, but also emerging phenomena such as mobile and ubiquitous computing.“

Renommierte Wissenschaftler veröffentlichen in Mobile Media & Communication sowohl qualitative als auch quantitative Studien und Artikel zu verschiedensten Facetten der mobilen Kommunikation.

Grundlegende Texte zu Location-based Services

Adriana de Souza e Silva stellt in der ersten Ausgabe im Januar 2013 die aus ihrer Sicht relevanten Forschungsstränge zu standortbezogenen mobilen Technologien vor. Die Forschung zu location-based Services behandelt ihr zufolge vor allem die Auswirkungen auf räumliche und soziale Gesichtspunkte und liefert Arbeiten in historischer Perspektive. der

Die Zeitschrift Mobile Media & Communication bietet vielseitige wissenschaftliche Einstiegsmöglichkeiten ins Thema der location-based Services. Ein Blick in das (bisher überschaubare) Archiv und speziell in die erste Ausgabe (mit diversen Einführungstexten) dürfte sich lohnen.

iconmonstr-light-bulb-17-icon-256Einstieg: Erste Ausgabe der Mobile Media & Communication

Ein Konzept zur Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über location-based Services

Neben verschiedenen Studien zu Auswirkungen von location-based Services (ihre bisherigen Publikationen) hat de Souza e Silva schon im Jahr 2006 ein Konzept veröffentlicht, mit dem sich die zunehmende Verbindung von virtuellen Informationen und physischen Positionen der Nutzer über Smartphones (von ihr damals als „Microcomputers“ bezeichnet) über location-based Services beschreiben lässt. Sie nennt dieses Konzept „hybrid spaces“. Hier gibt es den Artikel, der die zunehmende Verbindung von digitalen Informationen und physischen Positionen über LBS beschreibt:

Adriana de Souza e Silva (2006): From Cyber to Hybrid. Mobile Technologies as Interfaces of Hybrid Spaces. http://sac.sagepub.com/content/9/3/261.abstract

Die genannten Quellen bieten einen guten Einstieg in das Thema location-based Services bzw. locative Media aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Neben diesen Grundlagen stelle ich in diesem Beitrag noch einige Studien vor, die die sozialen Auswirkungen der Nutzung von LBS untersuchen und meiner Meinung nach interessante Erkenntnisse liefern.